Die Geschichte der Villinger
Richthofenkaserne bzw. Lyautey Kaserne

Die Geschichte der Villinger
Richthofenkaserne bzw. Lyautey Kaserne

1886

Erste Verkündung zur Heeresverstärkung

Bei der Eröffnungssitzung des deutschen Reichstags von Staatsminister Boetticher wurde eine Gesetzesvorlage zur Verstärkung des deutschen Heeres verkündet. Es soll eine Erhöhung der bisherigen Friedenspräsenzstärke um 10 Prozent geben.
Drei Tage später schlug Gemeinderat W. Bichweiler seinen Kollegen in Villingen vor, einen Truppenteil in Villingen zu stationieren. Diese unterstützen die Idee und entwarfen ein Schreiben, was jedoch leider kein Erfolg mit sich brachte. Weitere Versuche folgten, doch auch diese brachten nicht den gewünschten Erfolg mit sich.

1886

Erste Verkündung zur Heeresverstärkung

1907

Weitere Versuche zum Bau der Garnison

Eine weitere Pressemitteilung teilte mit, dass die militärische Präsenz im Land wieder ausgeweitet werden soll. Zum einen versuchte die Stadt Villingen es über das Bezirksamt, das für die Stadt beim badischen Innenministerium sich für die Ziele einsetzen sollte, und zum anderen über den Reichstagsabgeordneten Josef Duffner aus Furtwangen. Dieser befürwortete in der Reichstagssitzung vom 22.03.1909 einen Bau einer Garnison in Villingen.
Als Vorteile wurden zum einen ein wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt erwähnt, aber auch die Lage der Stadt, die ein Vorteil für eine Garnison mit sich bringen würde, wurde zur Sprache gebracht.
Leider war auch dieser Versuch ohne Erfolg.

(Abbildung 1: Josef Duffner, 1904 (GLA 231 Nr. 2937 (724)))

1907

Weitere Versuche zum Bau der Garnison

1910

Nächste Versuche zum Bau der Garnison

Ein weiteres Mal gab es Informationen zu einer Heeresverstärkung. Diesmal gab es einen anonymen Leserbrief mit dem Inhalt, dass nach den Ausführungen des Berliner Kriegsministerium die Stadt Villingen als Garnisonort infrage kam.
Landtagsabgeordneter und Gemeinderat Ignaz Goerlacher gab nach einer persönlichen Vorsprache die Auskunft aus Berlin, dass geplanten Bataillonen in einzelne Gemeinde stationiert werden sollen, wodurch sich die Chancen für Villingen erhöhten.

(Abbildung 2: "Die Errichtung einer Garnison in Villingen" (SAVS 2.2 Nr. 6187))

1910

Nächste Versuche zum Bau der Garnison

1913

Villingen erhält Zusage zum Bau der Richthofenkaserne

Nach einem Gutachten der Stadt vom 15.05, die für Zufriedenheit des hohen Militärgesandten sorgte, gratulierte Josef Duffner in einem Schreiben den Bürgermeister.
Am 27.06.1913 erfolgte die finale Zusage des Baus des III. Bataillon Infanterie-Regiment Nr. 169 in Villingen.
Nach der Begutachtung des Geländes wurde der Obere Brühl an der Kirnacherstraße als Kasernenort ausgewählt. Grund dafür war die Lage des Grundstücks, nicht zu nah an der Stadt, dennoch nicht zu weit weg. Außerdem waren die Preise günstig und die baulichen Möglichkeiten konnten auch zu geringen Kosten bewerkstelligt werden. Insgesamt wurde der Bau der Kaserne auf rund 1,5 Millionen Mark kalkuliert.
Die gesamten Verhandlungen verschiedener Entscheidungen zum Bau der Übergangsbaracken und der Garnison nahm einige Zeit in Anspruch, da über viele Ausschüsse das dazugehörige Einverständnis zu gewinnen war.
Eine Voraussetzung zur Unterzeichnung der Verträge war es, dass die Garnison 30 Jahre genutzt werden muss.

1913

Villingen erhält Zusage zum Bau der Richthofenkaserne

Ängste der Bevölkerung

Neben den lagerinternen Problemen, wuchs auch der Unmut zwischen der Bevölkerung und den Insassen. Die Bevölkerung befürchteten Einbußen und Nachteile ihrerseits, durch die teilweise erhaltenen Freiräume der Kriegsgefangenen. So gab es Beispielsweise Beschwerden darüber, dass diese sich zu ihren freigestellten Zeiten in nahegelegenen Waldstücken der Pilze bedienten und den Zivilbürgern somit in einer ohnehin durch Engpässe, gar Hunger geplagten Zeit, wichtige Nahrungsquellen räumten.
Diese Bewegungs- und Handlungsfreiheit der Kriegsgefangenen war allerdings absolut rechtens und beruhte auf dem Genfer Abkommen zur Behandlung von Kriegsgefangenen aus dem Jahre 1929.

Ängste der Bevölkerung

Baracken zur Interimlösung

Als Interimslösung vor dem Bau der Kaserne sollten übergangsweise Baracken errichtet werden. Um die Wirtschaft der Stadt Villingen voranzutreiben berücksichtigte man bei der Auswahl der Gewerbe für den Bau der Baracken hiesige Betriebe.
Zur selben Zeit gab es eine Beschwerde bezüglich der Wohnsituation der Offiziere und Unteroffizieren. Diese hatten Probleme, da sie teils in Hotels wohnen mussten oder überhöhte Mietpreise zahlen mussten. Ein Beschwerdebrief an die Stadt besagte, dass diese Situation verbessert werden musste.
Beim Bau der Baracken ergaben sich nach der Planung zehn Gebäudeelemente. Darunter waren vier Mannschafts- und zwei Latrinenbaracken, jeweils ein Wach- und Stabs-, Wirtschafts-, Kohlen- und Wasch- und Trockenbaracken. Am 01.10.1913 wurde bekannt gegeben, dass die Baracken fertig sind und diese an den Truppenteil übergeben worden sind.

(Abbildung 3: Der Schwarzwälder. Villinger Tagblatt vom 30.09.1913 (SAVS 2.11 Nr. 81))

Baracken zur Interimlösung

Weitere Nutzung der Baracken

Die Baracken zum Übergang wurden wegen des Ersten Weltkrieges nur ca. 10 Monate genutzt, weshalb eine andere Lösung hermusste. Untergebracht wurden zum einen 100 russische Erntearbeiter aber auch ausländische Zivilpersonen. Darunter waren Akademiker, Studenten, Handwerker und Arbeiter aus Russland und der Ukraine, dem Baltikum und andere Länder. Dies waren Leute, die schon länger in Deutschland lebten aber als „Gefährlich“ eingestuft wurden und somit in diesen Baracken festgehalten wurden.
Nach langen Verhandlungen zu einer Rückführung der Personen in ihre Heimatländer, wurde sich darauf geeinigt, dass alle weiblichen Personen und männliche unter 17 Jahre und über 60 Jahren in ihr Land zurückgeführt werden sollten.

Weitere Nutzung der Baracken

1914

Probleme beim Bau der Kaserne

Die Bauleitung der Kasernenbauten wurde durch Architektengemeinschaft Carl Naegele & Carl Friedrich Weis noch im Jahr 1913 geplant. Ein Jahr später, im Jahr 1914, sollten die Rohbauten schon stehen, um eine endgültige Fertigstellung im Jahr 1915 zu erreichen. Doch als der Baufortschritt noch sehr gering war, wurde dieser durch den Ersten Weltkrieg gestoppt. Doch im August 1914 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen.
Nach einer Winterpause wurden im März 1915 die Arbeiten weitergeführt aber unter erschwerte Bedingungen. Zum einen sind die Preise der Rohmaterialien gestiegen und zum anderen hatte das Kriegsministerium in Berlin Einschränkungen aller Ausgaben veranlasst. Deshalb musste eine mehrmonatige Zwangspause eingelegt werden.

1914

Probleme beim Bau der Kaserne

1915

Besichtigungen der Gefangenenlager

Durch den Zusammenschluss des deutschen Roten Kreuz und des russischen Roten Kreuz wurde eine Besichtigung der Gefangenen angeordnet.
In diesem Bericht wurde die Lage dort als gut beschrieben und keine großen Mängel wurden gesichtet. Da die meisten Insassen russischer Herkunft waren, wurde in diesem Bericht ausschließlich von ihnen berichtet.

1915

Besichtigungen der Gefangenenlager

1917

Probleme bei der Fertigstellung

Zwei Jahre nach der geplanten Fertigstellung war das Gelände immer noch nicht fertig. Schuld hierfür wurde dem Architekten Carl Naegele zugeworfen, er wolle eine dauerhafte Befreiung vom Kriegsdienst erreichen.

(Abbildung 4: Das Barackenlager 1914-1918 (SAVS 1.42.91 Nr. 409))

1917

Probleme bei der Fertigstellung

1918

Russen und Amerikaner

Der Bau war zwar noch nicht fertig aber es wurde bekannt gegeben, dass die meisten Gebäude für den eigentlichen Zweck bereitstanden.
In diesem Jahr kamen auch amerikanische Offiziere als Kriegsgefangene an. Trotz vieler Verlegungen russischer Gefangenen gab es zum Zeitpunkt des Eintreffens der Amerikaner noch ca. 200 Russen. Die russischen Gefangenen haben das Lager nach eigenen Vorstellungen eingerichtet und auch mitfinanzierten.
Durch dieses Zusammenleben ergaben sich einige Unstimmigkeiten zwischen beiden Nationalitäten. Einer der Beschwerden war es, dass die russischen Insassen nicht in der Lage waren das Essen nach Wunsch der Amerikaner zu zubereiteten. Außerdem klagten sie über eine Unsauberkeit und mehreren Kranken.

(Abbildung 5: Kriegsgefangene Offiziere beim Sonnenbaden (SAVS 5.02.6 Nr. 49))

1918

Russen und Amerikaner

1919

Wehrleute aus der Schweiz

Am 15.01.1919 wurde bekannt gegeben, dass in Villingen die ehemaligen Gefangenenbaracken leergeräumt seien. Nach dem Freiwerden der Barackenlager sollten übergangsweise Wehrleute untergebracht werden, die auf ihre Einreiseerlaubnis in die Schweiz warteten. Diese waren Freiwillige in der Schweiz Lebenden, die beim Ersten Weltkrieg beteiligt waren und nun nach dem Krieg zurück in die Heimat wollten. Diese Rückkehr begann im Dezember 1918 und ging bis Mai 1919. Doch diese Wehrleute musste sehr lange auf ihre Bescheide warten was zu Protesten dieser Insassen zur Folge hatte.

1919

Wehrleute aus der Schweiz

Probleme der Einreise in die Schweiz

Gründe für derartige Verzüge waren Ernährungsdefizit in der Schweiz im Jahr 1917/1918. Ein weiterer Grund war die Erhöhung von Lebensunterhaltungskosten. Diese haben sich seit 1914 verdoppelt. Aber auch die sog. Spanische Grippe beeinträchtigte das Leben, weshalb die Einreise so erschwert wurde.
Aber dies allein waren nicht alle Gründe. Nach verschiedenen Aufständen von Arbeitern und Soldaten oder der Oktoberrevolution 1917 hatte die Schweiz sorgen, es könnten Personen ins Land eindringen, die Unruhe in das Land bringen.
Vielen dieser Wehrleute wurde trotz in der Schweiz lebenden Familienmitglieder die Einreise komplett verboten. Ein Grund, der seitens der Schweiz genannt wurde, waren die wirtschaftlichen Gründe. Man wollte mit dem Aufnehmen der Leute keine Arbeitslosigkeit in das Land bringen.

Das lange Warten bedarf ein weiteres Problem. Die Wohnungsnot in Villingen sollte durch die leeren Baracken gelindert werden, doch wegen der wartenden Wehrleute konnte dies nicht durchgesetzt werden.

Probleme der Einreise in die Schweiz

Ende des erster Weltkriegs

Am 28. Juni 1919 wurde der Versailler Vertrag unterzeichnet und diente als Zeichen des Friedensschlusses zum Ersten Weltkrieg.

Ende des erster Weltkriegs

1920 - 1925

Taufe des Kasernengeländes

Taufe der gebauten und fertiggestellten Kaserne in „Richthofenkaserne“. Der Namensgeber Rittmeister Manfred Freiherr von Richthofen (1892-1918), galt als „Fliegerkönig“ im Ersten Weltkrieg, da er als einzelner Pilot die meisten Luftsiege erzielte.

(Abbildung 6: Blick auf die Richthofenkaserne vor der Namensgebung (SAVS 5.22, V 814 Kasernen Villingen))

1920 - 1925

Taufe des Kasernengeländes

1921 - 1922

Abriss des Oflags

Da keine weitere Nutzung für die Baracken vorgesehen war, werden sämtliche Baracken im Frühjahr 1921/22 abgerissen. Die leere Fläche wird zunächst als Holzlagerplatz genutzt.

1921 - 1922

Abriss des Oflags

1929

Erste Villinger Messe

Auf dem ehemaligen Barackengelände fand am 23.05.1929 die Premiere der Villinger Messe statt. Zeitungsberichten zufolge gab es einen Vergnügungspark, Speisen und Getränke sowie selbstverständlich verschiedene Verkaufsstände. Insgesamt dauerte die Messe vier Tage.
Während die Messe stattfand, entstand östlich der Richthofenkaserne ein Messe- und Festplatz und zugleich ein Offizierskasino.

1929

Erste Villinger Messe

Abkommen zur Behandlung von Kriegsgefangenen

Das „Abkommen über die Behandlung von Kriegsgefangenen“ wird von 46 Staaten am 27. Juni 1929 unterzeichnet. Die Sowjetunion unterzeichnete nicht.

Abkommen zur Behandlung von Kriegsgefangenen

Villinger Herbstmesse

Eine Herbstausgabe der Messe fand im Oktober 1929 auf dem mittlerweile fertiggestellten Messe- und Festplatz statt. Das neu gebaute Offizierskasino wird als Festwirtschaft genutzt.

Villinger Herbstmesse

1933

Machtergreifung

Adolf Hitler wurde am 30.01.1933 vom Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Im Februar setzte Hitler mit einer Verordnung die Bürgerrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft, was ein erster Schritt zur Beseitigung des demokratischen Rechtsstaates war.

1933

Machtergreifung

1934

Beginn der Aufrüstung

„Neue Richthofenkaserne“ & „Boelcke Kaserne“
Villingen und das Militär vereinbarten ein Abkommen, für die Vorteile, welche sich durch die ab 1934 einsetzende stärkere Belegung von Villingen ergeben würden. Die Stadt verpflichtete sich zu verschiedenen Punkten.

1. Die Herrichtung eines Sportplatzes bis zum Frühjahr 1936, der den Truppen an mindestens drei Tagen kostenlos zur Verfügung steht.
2. Die Bereitstellung einer wettkampfgerechten Schwimmanstalt für die Truppen bis Mitte Mai 1936.
3. Die Erlaubnis zum Umbau von Räumen des Offiziersheims in Büros seitens der Heeresverwaltung.
4. Die unentgeltliche Abgabe von Bauplätzen an die Wohnbau GmbH zur Erstellung von Familienwohnungen und die Gewährung von Darlehen für zehn Prozent der Baukosten.

Im Gegenzug verpflichtet sich die Heeresverwaltung, dass bei den Bauaufträgen einheimische Unternehmen zum Zuge kommen, die dafür einheimische Arbeiter beschäftigen müssen. Auch solle die Belieferung der Truppenküche künftig noch mehr durch Villinger Geschäfte erfolgen. Zur Errichtung der neuen Kasernengebäude stellte die Stadt eigenes sowie von ihr erworbenes Gelände kostenlos zur Verfügung und opferte den erst wenige Jahre zuvor (1927/28 und 1929) hergerichteten Messe- und Festplatz.

1934

Beginn der Aufrüstung

1935

Einführung der Wehrpflicht

Allgemeine Wehrpflicht wird am 21.05.1935 eingeführt „Jeder deutsche Mann ist wehrpflichtig“.

1935

Einführung der Wehrpflicht

Übergabe der neuen Richthofenkaserne

Kompaniegebäude, Werkstatt, und Pferdeunterkünfte des neuen Kasernengeländes konnten übergeben werden. Die restlichen Gebäude wurden 1936 übergeben.

Übergabe der neuen Richthofenkaserne

Nürnberger Gesetze

Beim Reichsparteitag in Nürnberg, wurden am 15.09.1935 die Nürnberger Gesetzte erlassen, welche den Juden jegliche Bürgerrechte entzogen.

Nürnberger Gesetze

1938

Reichspogromnacht

Novemberpogrom am 9./10. 11.1938 gegen Juden im Deutschen Reich.

1938

Reichspogromnacht

1939

Beginn Zweiter Weltkrieg

Die deutsche Wehrmacht griff im September 1939 auf Befehl Hitlers Polen an.

1939

Beginn Zweiter Weltkrieg

Stalag V B

Die Geschichte Villingens als Kriegsgefangenenlagers beginnt. Die ersten Kriegsgefangenen wurden im Oktober 1939 in der sogenannten Waldkaserne untergebracht.

(Abbildung 7: Der Wehrkreis V (Ministère de la Guerre: Documentation sur les Camps de Prisionniers de Guerre))

Stalag V B

1940

Anfänge des Stalags

Die Wehrmacht entschied in Villingen ein Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager anzusiedeln. Mannschaftsstammlager bedeutet, dass hier kriegsgefangene Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere zentral erfasst und dann meist auf Arbeitskommandos aufgeteilt wurden. Es ergab sich die Abkürzung „Stalag“. Die Kriegsgefangenen sollten nach dem unterzeichneten Vertrag von 1929 behandelt werden.
Das ist „der Sammel-, Ablade- und Tummelplatz für frisch importierte Kriegsgefangene gleich welcher Rasse.“

Im Laufe seines Bestehens waren im Stammlager in Villinger Kriegsgefangene aus Frankreich, Belgien, Polen, Jugoslawien, Russland, Amerika und Italien untergebracht. Insgesamt sollen zwischen 1940 und 1945 etwa 30.000 Menschen das Villinger Stalag durchlaufen haben.
Die Internierten lebten jedoch nicht zu größten Teilen im Lager, sondern wurden auf verschiedene Arbeitskommandos aufgeteilt so z. B. in der Landwirtschaft oder Fabriken.

1940

Anfänge des Stalags

Ausbildung zur Betreuung des Stalags

Etwa 76 Leute, die zuvor eine Kurzausbildung für die Verwaltung und Bewachung des Lagers V B erhielten, zogen im Mai 1940 in die Richthofenkaserne ein, um das nördlich gelegene Stalag zu bewachen und betreuen. Dem entsprechend waren sie dort auch untergebracht und versorgt.

Ausbildung zur Betreuung des Stalags

1941

Sowjetische Kriegsgefangene

"Russen" werden als Kriegsgefangenen im Stalag untergebracht. Ergänzend muss gesagt werden, dass Russen als Kriegsgefangene denn niedrigsten Stellenwert erfuhren. Häufig wurden sie für schwere teils tödliche Arbeiten eingesetzt und waren unterernährt. Sie galten als „bolschewistische Bestien“ und neugierige Bürger sammelten sich damals an den Unterkünften und begutachteten die Gefangenen wie Tiere in einem Zoo.

1941

Sowjetische Kriegsgefangene

1942

Beginn des Endes der Waldkaserne

Nach langer Auseinandersetzung erfolgte im Mai 1942 der Befehl die Waldkaserne zu räumen und folglich eine Erweiterung des Barackenlagers nach Osten Richtung Innenstadt vorzunehmen. Die Stadt Villingen war immer gegen eine solche Erweiterung, da Sie das Stalag nicht in unmittelbarer Nähe zu Wohnsiedlungen haben wollte.

(Abbildung 8: Undatierte Aufnahme der ehemaligen Waldkaserne (SAVS))

1942

Beginn des Endes der Waldkaserne

Verkauf der Waldkaserne

Nach weiteren langen Diskussionen über die Nutzung der Waldkaserne und die damit verbundenen Erweiterung des Stalags Richtung Innenstand, wurde am 8. Dezember 1942 das Grundstück der Waldkaserne an die Firma SABA übergeben.
Dennoch waren auf dem Gelände weiter Kriegsgefangene untergebracht, da das Heer an die SABA Miete für die Beibehaltung der Gefangenenunterbringung bezahlte.

Verkauf der Waldkaserne

1943

Räumung der Waldkaserne

Weitere vorangegangene Bemühungen die Erweiterungen des Stalags zu verhindern, wurden von der Kommandantur in Stuttgart stetig abgelehnt und blieben somit erfolglos. So erteilte die Stadtverwaltung letztlich Ihre Zustimmung das Lager in Richtung Innenstadt weiterzubauen. Etwa im April 1943 wurde das Vorhaben schließlich umgesetzt. Auf diese Weise erfuhr die Geschichte der Waldkaserne als Teil des Stalags mit der Kündigung des Mietvertrages zum 15. Mai 1943 ihren Abschluss.

1943

Räumung der Waldkaserne

1944

Bombardierung Stalag V C

Das Kriegsgefangenenlager V C bei Offenburg wurde im Dezember 1944 bombardiert und deren Internierten wurden nach Villingen verlegt. Der Personalbestand des Stalags in Villingen erfuhr so einen sprunghaften Anstieg.

1944

Bombardierung Stalag V C

Widerständigkeit im Lager

Im Sommer 1944 wirkten sich die Geschehnisse des Krieges abermals auf das Leben im Lager aus; diesmal blieb es allerdings nicht bei einem einfachen Stimmungswandel.
Die Invasion der Normandie durch die Alliierten, zwang Deutschland zu einer weitreichenden Räumung Frankreichs. Diese Räumung hatte zur Folge, dass eine Großzahl an vor Allem französischen Kriegsgefangenen nun auf deutschen Boden überführt werden mussten.
Eine für das Stalag bedeutsame Anzahl jener Gefangenen, fanden dadurch ihren Weg im folgenden Winter nach VS. Das kameradische Gefüge unter den französischen Gefangenen, ließ eine für die Lagerführung kritische Widerständigkeit aufkommen.
Diesem Widerstand versuchte die Lagerführung durch strengere Kontrollen und „einer angemessenen Haltung“ entgegenzuwirken.

(Abbildung 9: Französische Kriegsgefangene auf Arbeitskommando (fhaehnel; https://www.39-45.org/viewtopic.php?f=17&t=12734))

Widerständigkeit im Lager

1945

Einnahme Berlins durch die Rote Armee

Die Rote Armee besetzt das Reichstagsgebäude, Hitler nimmt sich das Leben.

1945

Einnahme Berlins durch die Rote Armee

Kapitulation

Der Zweite Weltkrieg in Europa endet, durch die vollständige Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

Kapitulation

Luftangriffe und gefährliche Aufgaben für die Kriegsgefangenen

Den Bürgern und der Stadt stellte sich durch den Kriegsverlauf zugunsten der alliierten allerdings ab Anfang 1945 noch deutlich einschneidendere Probleme. Die Luftangriffe auf die Stadt häuften sich zunehmend.
Hierbei zeichneten sich die Kriegsgefangenen allerdings auch immer wieder in bedrohlichen Situationen, als essenzielle Hilfskräfte aus. So wurde exemplarisch die Entschärfung eines Blindgängers in einem Villinger Wohnhaus, 4 russischen Kriegsgefangenen zur Aufgabe gestellt.
Diese sollten bei Erfolg (und überleben) des Unterfangens, die Begnadigung als Vergütung erhalten, welche diese auch mit glücklichem Abschluss erhielten.
Aufgaben dieser Art, waren insbesondere den russischen Insassen vorbehalten; da diesen durch eine Nichtunterzeichnung der russischen Regierung des Genfer Abkommens auch kein Schutz vor „unzuträglichen oder gefährlichen Arbeiten“ zuteilwurde.
Doch auch bei weniger Leib- und Lebensgefährdenden Einsätzen stellten die Kriegsgefangenen zur Bewunderung „aller“ wiederholt wichtige Einsatztrupps.

Luftangriffe und gefährliche Aufgaben für die Kriegsgefangenen

Ende des Stalags

Schon bald sollten die Kriegsgefangenen ihren Status als solche, zumindest in Villingen allerdings verlieren. Zwar stieg die Zahl der Inhaftierten von 1944 bis April 1945 um das Doppelte, nämlich in etwa von 1.000 auf 2.000 Mann; indes rückte allerdings die Befreiung Villingen-Schwenningens vom NS-Regime und somit auch die Freiheit der Kriegsgefangenen in Gestalt französischer Truppen immer näher.
Einzig die in etwa 1.200 russischen Kriegsgefangene sollten in den Tagen unmittelbar vor dem Eintreffen der französischen Streitkräfte (21.04.1945), noch in die Schweiz überführt werden, um möglichen Vergeltungen gegenüber der Bevölkerung und dem Lagerpersonal vorzubeugen.
Diese Angst gründete wohl auf der Vergleichsweise schlechten Behandlung der Russen (nicht zuletzt durch den fehlenden Schutz des Genfer Abkommens), sowie die Geringschätzung, welche Ihnen durch die Bevölkerung widerfuhr. Die übrigen Gefangenen sollten den heranrückenden Truppen übergeben werden.
Die Lagerführung selbst, in Person von Lageroffizier Götz, verließ das Stalag bereits am 19.04.; mit einer der Drei Marschkolonnen an russischen Gefangenen in Richtung Schweiz (Ein Befehl hierzu lag ihm nicht vor).

Mit dem Übertreten der Schweizer Grenze in Gestalt der Marschkolonnen, war das Stalag Villingen als solches bereits nicht mehr existent und an die französische Besatzung übergeben. Diese leitete umgehende Maßnahmen und Auflagen zur Entnazifizierung Villingens ein.

Ende des Stalags

1945 - 1946

Unmittelbare Nachkriegszeit

Diese Entnazifizierung zeigte sich nun als Umkehrung der Verhältnisse zum Stalag. Die Einstigen Verantwortlichen und Wärter, wurden zu Gefangenen, kontrolliert durch die ehemaligen Insassen.
Auch traten die Franzosen insbesondere zu Anfang ihrer Besatzungszeit eine regelrechte Verhaftungswelle los, welche zuteilen auch eher wilder Natur war. Später hingegen wurde gezielter gefahndet und geahndet und ins spezielle politische Treibkräfte inhaftiert.
Diese besagten Verhaftungen, sollten allem Voran auch dem Dienlich sein, möglichst schnell wieder geregelte Abläufe im Stadtleben zu etablieren.
Die nun Inhaftierten sahen sich nun den Bedingungen ausgeliefert, welche sie zu Teilen einst selbst konstruiert hatten. Diese reichten von primitiver Unterbringung, über schwere körperliche Arbeit bis hin zur mangelhaften, nicht vorhandenen Versorgung.
Mit 2.500 (Stand Mai 1945) zu verpflegenden Personen/Gefangenen auf dem ehemaligen Stalag-Gelände, war den nun führenden Köpfen in Villingen, insbesondere direkt nach Ende des Krieges eine große Herausforderung gestellt. Von diesen 2.500 zu verpflegenden Personen waren nur in etwa zwischen 190 – 250 Personen (differiert je nach genauem Datum und herangezogener Quelle) auch tatsächlich Inhaftierte. Eine große Mehrheit stellten ehemalige Kriegsgefangene des Stalags, welche Villingen noch nicht verlassen hatten bzw. konnten.
Um dem Beizukommen wurden insbesondere durch die Rückführung ausländischer „Insassen“ in deren Heimatländer, Umverteilungen und Freilassungen die Zahl der Häftlinge auf 3 Personen bis Mai 1946 reduziert.

1945 - 1946

Unmittelbare Nachkriegszeit

1946 - 1954

Weitere Nutzung des Geländes

Trotz drückender Wohnungsnot in den Nachkriegsjahren, welche nicht zuletzt durch die Beschlagnahmung zivilen Wohneigentums durch die Besatzungskräfte verschärft wurde, konnte eine Einigung mit eben diesen, über die Nutzung des Kasernengeländes zur Unterbringung wohnungssuchender Familien aus Villingen, bis ins Jahr 1949 nicht erzielt werden. Selbst nach dem Übertragen einiger Baracken an die Stadt VS, blieb eine offizielle Nutzung des restlichen Geländes durch die Besatzer weitestgehend aus, sodass selbst im Jahre 1951 noch an die 1.300 Familien in Villingen wohnungssuchend waren.
Das Gelände sollte in dieser Sache auch keine größere Abhilfe mehr schaffen.
Die französischen Besatzer drängten bereits 1951 schon scharf darauf das Gelände von sämtlichen Familien und Flüchtigen zu räumen.
Dies war allerdings auch zu Teilen dem Umstand geschuldet, dass das Lager von einer großen Zahl an Flüchtigen bzw. Displaced Persons, eben in diesen Jahren als Transitlager genutzt wurde.
Eine exaktes Datum der endgültigen Räumung des Geländes von Zivilpersonen ist mangels Dokumentenlage nicht zu nennen; allerdings ist es wohl auf den Zeitraum Anfang 1952 – Mitte 1954 einzugrenzen.

1946 - 1954

Weitere Nutzung des Geländes

1955 - 2000

Kaserne zur militärische Nutzung der französischen Einheit

In den darauffolgenden Jahren unterzogen die Franzosen das Gelände einer schrittweisen Bereinigung von den Altlasten des ehemaligen Kriegsgefangenlagers und modellierten es zu einer für diverse militärische Zwecke genutzten Fläche um.

Die durch die französischen Besatzer in Anspruch genommenen Areale wurden ihrer an deutsche „Kriegshelden“ entlehnten Namen entledigt und wurden zu ehren (nicht weniger Kontoversen) Persönlichkeiten der französischen Militärgeschichte umbenannt.
So wurde in etwa aus der Richthofenkaserne, das Lyautey-Gelände. Louis-Hubert Lyautey (1854-1934) war Kolonialoffizier in Indochina und Madagaskar. Später hatte er das Amt des französischen Generalresidenten in Marokko inne, welches er nur für einen Exkurs als Kriegsminister (1916 – 1917) kurzzeitig verließ. Lyautey war einer der letzten klassischen Kolonisatoren.
Die Lyautey – Kaserne befand sich bis 1997 in militärischer Nutzung durch französische Truppen; auch wenn diese ihren rechtlichen Status als Besatzungsmacht bereits seit Mai 1955 mit der Unterzeichnung des Deutschlandvertrags verloren hatten.
Von 1998 bis 2000 wurde das Areal noch Interimsweise zur Unterbringung der deutschen Panzerkompanie 550 genutzt.
Heute ist das Gelände eine Konversionsfläche, also eine Umwandlung eines ehemals militärischen Areals hin zur zivilen Nutzung und wird in kommenden Jahren neuen Wohnraum stellen.
Einer ähnlichen „Entmilitarisierung“ wurde auch der Name der Fläche unterzogen.
So lautet die einstige Richthofen-, spätere Lyautey-Kaserne, (ehemaliges Stalag) heute auf den Namen „Rote Mühle“.

(Abbildung 10: Porträt Louis-Hubert Lyautey von Marcel Andre Baschet (https://www.walmart.com/ip/Portrait-ofLouis-Hubert-Gonzalve-Lyautey-by-Marcel-AndreBaschet-Wood-Mounted-Print-Wall-Art/917377939))

1955 - 2000

Kaserne zur militärische Nutzung der französischen Einheit